GdW Europabrief 11/2026
Urbane Agenda der EU
Die Urbane Agenda der EU hat im Rahmen ihrer thematischen Partnerschaften zwei Aktionspläne in englischer Sprache veröffentlicht: „Water Sensitive City“ (Wassersensible Stadt) und „Building Decarbonisation“ (Dekarbonisierung von Gebäuden). Diese wurden im Anschluss an die Sitzung der Urban Development Group am 25. September 2026 gebilligt und werden nun von den Partnerschaften umgesetzt.
Der Aktionsplan „Wassersensible Stadt“ (WSC) umfasst sieben Maßnahmen, mit denen die städtische Wasserwirtschaft so umgestalten werden soll, dass der natürliche Wasserkreislauf wiederhergestellt und der Oberflächenabfluss verringert wird. Ziel ist es außerdem, Städte widerstandsfähiger, nachhaltiger und klimaresilienter zu machen.
Die Maßnahmen im Überblick:
- Indikatoren für Wassersensibilität: Ermittlung eines übersichtlichen Satzes messbarer Indikatoren, die Städten helfen, ihre Leistung zu bewerten, Planungs- und Investitionsentscheidungen zu treffen und Fortschritte zu überwachen.
- Förderliche Rechtsvorschriften: Ermittlung von Regelungslücken und Unstimmigkeiten sowie Entwicklung von Empfehlungen, um Rechtsvorschriften, Planungsanforderungen und öffentliche Finanzierung mit wassersensiblen Ansätzen in Einklang zu bringen.
- Innovative Finanzierung: Untersuchung von Modellen, die bestehende EU- und nationale Finanzierungsquellen ergänzen, sowie Bereitstellung praktischer Leitlinien.
- Schrittweiser Standard für die Digitalisierung im Wasserbereich: Entwicklung eines Standards, der Kommunen dabei helfen soll, den digitalen Reifegrad ihrer Wassersysteme zu bewerten, geeignete Technologien zu identifizieren und die Einhaltung der EU-Wassergesetzgebung zu unterstützen.
- Wissens- und Kapazitätsaufbau: Erstellung eines Kompendiums bewährter Praktiken sowie Entwicklung gezielter Materialien und Veranstaltungen zum Kapazitätsaufbau, die lokale und regionale Behörden bei der Anwendung wassersensibler Ansätze unterstützen sollen.
- Bürgerbeteiligung: Untersuchung von Bürgerwissenschaft und partizipativen Methoden sowie Konzeption einer „WSC Community Challenge“, um Verhaltensänderungen zu fördern und zu bewerten, wie Anwohner zu einem besseren städtischen Wassermanagement beitragen können.
- Städtebaulicher Rahmen: Entwicklung und Erprobung eines Fahrplans für wassersensible Stadtentwicklungspläne, der Städten dabei hilft, Wassermanagement und naturbasierte Lösungen in die Stadtplanung zu integrieren.
Der Aktionsplan verknüpft die EU-Wasserresilienzstrategie mit praktischen Maßnahmen für Städte jeder Größe und soll ihnen dabei helfen, besser mit Hochwasser, Dürren, Wasserknappheit und sinkender Wasserqualität umzugehen.
Der zweite Aktionsplan „Building Decarbonisation“ verfolgt einen integrierten Ansatz zur Dekarbonisierung von Gebäuden auf lokaler Ebene. Die vorgeschlagenen Maßnahmen betreffen regulatorische Wechselwirkungen und Verknüpfungen zwischen verschiedenen lokalen Plänen, Daten und Indikatoren zu Energie und Gebäuden, Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten sowie wirksame Steuerungsmodelle.
Der Aktionsplan besteht aus sechs sich ergänzenden Maßnahmen:
- Ermittlung regulatorischer Zusammenhänge zwischen der Gebäudeeffizienzrichtlinie (EPBD) und der Energieeffizienzrichtlinie.
- Entwicklung eines (Mindest-)Indikatorensatzes für die strategische Energieplanung auf lokaler Ebene (Heiz- und Kühlpläne sowie nationale Gebäudesanierungspläne).
- Entwicklung eines Fahrplans für die Ausarbeitung von Gebäudesanierungs- sowie Heiz- und Kühlplänen (BREACH-Pläne).
- Entwicklung eines operativen Leitfadens zur Finanzierung von Investitionen in Stadtteilportfolios, der verschiedene Finanzierungsarten umfasst: öffentliche Zuschüsse und subventionierte Darlehen, Bankfinanzierungen und alternative Formen wie Blended Finance.
- Politische Empfehlungen der „Building Decarbonisation Partnership“ zu Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten für Kommunen im nächsten MFR, mit Schwerpunkt auf Modellen, die sowohl die Kapazitäten der Kommunen als auch integrierte Ansätze zur Dekarbonisierung von Stadtteilen unterstützen.
- Entwicklung eines umfassenden Leitfadens zu Governance-Modellen für die Dekarbonisierung von Gebäuden unter Einbindung von Interessengruppen.