27. Juli 2026 Europabrief

GdW Europabrief 09/2026

EU-Kommission: Veröffentlichung eines Aktionsplans zur Elektrifizierung

Die EU-Kommission hat am 17. Juli 2026 einen Aktionsplan zur Elektrifizierung vorgelegt, mit dem Europa zum ersten elektrifizierten Kontinent werden soll, sowie einen stärkeren CO₂-Markt stützt, um die EU-Industrie bei der Umstellung auf saubere Energien und der Elektrifizierung zu unterstützen.

Um dieses Ziel zu unterstützen, wird die Kommission im Rahmen des Pakets zur Energieunion nach 2030 ein indikatives Elektrifizierungsziel von 46 % bis 2040 prüfen. Das Erreichen dieses Ziels könnte nach Berechnung der EU-Kommission die Kosten der EU für den Import fossiler Brennstoffe um 260 Milliarden Euro pro Jahr bis 2040 senken.

Die EU-Kommission will Maßnahmen einleiten, damit die europäischen Hersteller von der Dekarbonisierung und Elektrifizierung der Industrie profitieren. Das seit 2005 bestehende EU-Emissionshandelssystem (EU-EHS) sei seit seiner Einführung erfolgreich und habe Einnahmen in Höhe von mehr als 270 Milliarden EUR generiert, die in Innovation, die Dekarbonisierung der Industrie und die Modernisierung des europäischen Energiesystems reinvestiert wurden. Gleichzeitig habe es Europa dabei geholfen, die Emissionen in den davon erfassten Sektoren um 50 % zu senken. Damit gewährleitestet dieses marktbasierte System Vorhersehbarkeit in allen EU-Mitgliedstaaten.

Aufgrund der geopolitischen und wirtschaftlichen Lage muss das (EU-EHS) modernisiert werden. Die Überarbeitung aktualisiert den linearen Reduktionsfaktor (LRF) von 3,7 % für 2031–2035 und 1,7 % für 2036–2040, wodurch der Kurs schrittweiser gestaltet und an das Niveau der heimischen Klimaziele angepasst werden soll. Bis zu 2 % hochwertige internationale Emissionsgutschriften sollen die Finanzierung von Dekarbonisierungsprojekten im Ausland ermöglichen und im Zeitraum 2036–2040, wenn die Emissionsminderung in Europa schwieriger wird, einen Spielraum schaffen.

Eine Industrial Decarbonisation Bank soll über Mittel in Höhe von 100 Mrd. EUR verfügen, die für eine groß angelegte Dekarbonisierung der Industrie in ganz Europa eingesetzt werden sollen.

Der ETS-Investitionsbooster soll noch vor 2030 als erste Phase der Bank zur Verfügung stehen. Der EU-ETS-Innovationsfonds soll weiterhin die ersten kommerziellen Anwendungen innovativer sauberer Technologien in einer Vielzahl von Sektoren unterstützen. Die Mitgliedstaaten sollen verpflichtet werden, 50 % ihrer nationalen EHS-Einnahmen für Investitionen zur Dekarbonisierung der EHS-Sektoren auszugeben. Dies summieret sich auf mehr als 100 Mrd. EUR an Investitionen bis 2030.

Die kostenlose Zuteilung für Unternehmen soll über das Jahr 2030 hinaus fortgesetzt und enger an Investitionen in die Dekarbonisierung in Europa geknüpft werden.

Ein separater Vorschlag zu Benchmarks zielt darauf ab, die kostenlose Zuteilung an die Industrie im Wert von 6 Milliarden EUR für den Zeitraum 2026–2030 zu erhöhen. Die Kommission schlägt zudem eine Reform der Marktstabilitätsreserve (MSR) vor, um die Marktstabilität und Vorhersehbarkeit für Investitionen weiter zu stärken, die Liquidität aufrechtzuerhalten und übermäßige Preisschwankungen zu verringern.

Die EU-Kommission betont die Vorteile der Elektrifizierung bei der individuellen Mobilität mit PKW und der Umstellung von Gasheizkesseln auf Wärmepumpen. Allerdings sieht sie weiterhin Hindernisse für eine breite Einführung. Strom kostet oft dreimal so viel wie Gas. Netzanschlüsse können Jahre dauern. Zu viele innovative Technologien erreichen nie den kommerziellen Maßstab. Unternehmen haben zu wenig Anreize, von fossilen Brennstoffen auf Strom umzusteigen. Der Aktionsplan zur Elektrifizierung soll all diese Hindernisse angehen.

Der Vorschlag zur Zukunftssicherung der Stromrechnungen in der EU soll die Mitgliedstaaten in die Lage versetzen, die Netzentgelte für bestimmte Verbrauchergruppen und die Steuern für energieintensive Unternehmen zu senken. Er soll zudem den schnelleren Einsatz intelligenter Zähler fördern, wodurch es den Verbrauchern erleichtert wird, bei ihren Energiekosten zu sparen. Der Vorschlag zielt zudem darauf ab, sicherzustellen, dass Strom nicht stärker besteuert wird als Gas.

Mit dem Vorschlag der Europäischen Kommission ist das Gesetzgebungsverfahren zum Elektrifzierungsplan und Revision des Emissionshandelssystem (EHS) eröffnet.

Das Europäische Parlament hat für die Revision des EHS und für das Monitoringsystem Herrn Dr. Peter Liese, CDU (EVP) als Berichterstatter benannt. Herr Adam Jarubas (EVP, Polen) ist als Berichterstatter für die Benchmarks des EHS benannt.

Der Rat und das Europäische Parlament wollen bis zum Ende des Jahres 2026 ihre gemeinsamen Positionen zum Elektrifzierungsplan und zur Revision des EHS beschließen. Dann erst können die Trilog-Verhandlungen zu Beginn des ersten Quartals 2027 beginnen. Ziel ist es, die gesamte Reform im ersten Quartal 2027 abzuschließen.

Özgür Dr. Özgür Öner 0032 2 5501611