4. Juni 2026 Europabrief

GdW Europabrief 06/2026

Informelles Ministertreffen zum Thema Wohnen

Die zypriotische EU-Ratspräsidentschaft hat am 12. Mai 2026 zu einem informellen Ministertreffen zum Thema Wohnen eingeladen. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die Notwendigkeit, das Wohnungsangebot auszuweiten und Prozesse, insbesondere im Bausektor, zu vereinfachen, sowie der Einsatz von Finanzierungsinstrumenten und die Mobilisierung öffentlicher und privater Investitionen.

Ein weiterer zentraler Diskussionspunkt war das Thema Innovation. Dabei wurden neue Bauweisen wie modulares und Off-Site-Bauen sowie digitale Werkzeuge wie Building Information Modeling (BIM) als Beschleuniger für die Bereitstellung von Wohnraum hervorgehoben, die zugleich Kosten senken und die Transparenz erhöhen. Die Ratspräsidentschaft betonte darüber hinaus, dass Investitionen in nachhaltige Baumaterialien und die Integration von Kreislaufwirtschaftsprinzipien unerlässlich sind, um die EU-Klimaziele zu erreichen.

In der Presseerklärung wies EU-Kommissar Jørgensen darauf hin, dass in diesem und im kommenden Jahr zusätzlich 10 Milliarden EUR aus dem EU-Haushalt bereitgestellt werden. Zudem hätten sich Partnerfinanzinstitute verpflichtet, bis 2029 375 Milliarden EUR zu mobilisieren.

Der Kommissar kündigte außerdem an, dass demnächst eine Konsultation zum Vereinfachungspaket zum Wohnraum eingeleitet wird, das für 2027 vorgesehen ist.

Ebenfalls in Kürze soll ein Vorschlag zur Bewältigung der Kurzzeitvermietungen in Form des „Affordable Housing Act” vorgelegt werden. Laut Jørgensen hat sich die Zahl der Kurzzeitvermietungen zwischen 2018 und 2024 nahezu verdoppelt. In einigen Stadtvierteln und touristischen Brennpunkten entfallen bis zu 20 % des Wohnungsbestands auf diese Vermietungsform. Der Vorschlag soll lokalen Behörden wirksame Instrumente bereitstellen, um den negativen Auswirkungen von Kurzzeitvermietungen in Gebieten mit Wohnungsmangel entgegenzuwirken.

Im Anschluss an das Treffen rief die Kommission die Europäische Allianz für Wohnraum ins Leben. Ziel der Allianz ist es, den Europäischen Plan für bezahlbaren Wohnraum, den die Kommission im Dezember 2025 vorgelegt hat, in die Praxis umzusetzen. Sie wird nationale, regionale und lokale Regierungen sowie Interessenvertretungen zusammenbringen, darunter Vertreter von Jugendlichen, Mietern und Wohneigentümern. Dies soll dazu verhelfen, den Wissensaustausch sowie den Transfer bewährter Verfahren zu fördern. Interessierte Akteure können sich für eine Mitgliedschaft registrieren.

Der GdW hat sich als Mitglied der Allianz registriert. Die Kommission plant für den 19. Juni 2026 eine Informationsveranstaltung zur Allianz.

Özgür Dr. Özgür Öner 0032 2 5501611