23. November 2020 Pressemeldungen

Coronakrise stellt soziale Stabilität von Wohnvierteln auf die Probe

  • Studie zeigt: professionelles Quartiersmanagement ist Voraussetzung für stabile Nachbarschaften
  • Aufbau eines bundesweiten Kompetenzzentrums „Zusammenleben im Quartier“ und Innovationsprogramm notwendig   
  • virtuelle Diskussion zur Studie mit Bernhard Daldrup, wohnungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, abrufbar unter www.tagderwohnungswirtschaft.berlin  

Berlin – In gesellschaftlichen Ausnahmesituationen, wie dem aktuellen Teil-Lockdown aufgrund der Corona-Krise, nehmen soziale Spannungen sowohl innerhalb von Familien als auch in ganzen Wohnvierteln zu. Das haben Umfragen des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW unter seinen Mitgliedern im Verlauf der COVID-19-Pandemie gezeigt. Angesichts wachsender sozialer Ungleichheit, mehr Vielfalt infolge von Zuwanderung und zunehmender Digitalisierung stand der soziale Zusammenhalt in vielen Wohnvierteln in Deutschland schon vor Beginn der Pandemie vor großen Herausforderungen.   

„Die Corona-Pandemie wirkt auch in den Wohnvierteln Deutschlands wie ein Katalysator: In belasteten Quartieren drohen sich die sozialen Probleme weiter zu verschärfen, in wenig belasteten Quartieren verstärken sich die sozialen Netzwerke infolge der Ausnahmesituation. Entscheidend ist dabei ein gut funktionierendes Quartiersmanagement, das entweder bereits existiert und verstärkt oder dringend aufgebaut werden muss“, sagt Axel Gedaschko, Präsident des GdW, anlässlich der Veröffentlichung der Vertiefungsstudie „Herausforderung: Zusammenleben im Quartier“.

Die Studie im Auftrag der Wohnungswirtschaft zeigt, dass deutlich mehr finanzielle und personelle Unterstützung für die Quartiersentwicklung vor Ort notwendig ist, um den sozialen Frieden in Deutschland langfristig zu wahren. In einem ersten großen Gutachten hatte das Institut Minor bereits 2019 herausgefunden, dass sich gesellschaftliche Unterschiede auch zunehmend in einem veränderten nachbarschaftlichen Zusammenleben widerspiegeln.

Ein Anstieg von Gewalt, Ruhestörungen und Missachtungen der Hausordnung sowie interkulturelle und Generationenkonflikte waren und sind in manchen belasteten Wohnquartieren die Folge. Angesichts der gesteigerten Gefahr von Gewalt in Familien in Ausnahmesituationen wie der Corona-Pandemie unterstützt die Wohnungswirtschaft die Initiative „Stärker als Gewalt“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

„Ein Weiter so wie bisher kann es im Hinblick auf belastete Wohnquartiere nicht geben. Sonst werden Gewaltausbrüche wie in Stuttgart und Frankfurt am Main in diesem Jahr keine Einzelfälle bleiben. Was wir für ein friedliches Miteinander in den Wohnvierteln zuallererst brauchen, ist politischer Wille“, sagt Gedaschko. Weit über die Bemühungen zur Unterstützung des Einzelhandels hinaus müssten angesichts der Corona-Pandemie mit ganzheitlichem Blick insbesondere auch Lösungen für die Wohnviertel abseits der Zentren und Einkaufsstraßen geschaffen werden. Ganz konkret sollte schnell ein bundesweites Kompetenzzentrum „Zusammenleben im Quartier“ eingerichtet werden, das durch Bundesmittel gefördert wird. Ergänzend sollte ein Innovationsprogramm aufgelegt werden, mit dem Forschungs- und Modellprojekte zur Stärkung des Zusammenlebens und der Teilhabe im Quartier finanziert werden können.

Wenn diese Voraussetzungen gemeinsam mit der Politik als Grundstein für eine Intensivierung der Quartiersarbeit gelegt werden können, ist das ein entscheidender Schritt für den weiteren Ausbau des jahrzehntelangen großen Engagements der sozialverantwortlichen Wohnungsunternehmen für ein stabiles und lebenswertes Wohnumfeld. Dafür zeigt die Vertiefungsstudie die konkreten Erfolgsfaktoren auf: Stabile Quartiere brauchen ein strategisches und langfristig finanziertes Quartiersmanagement mit festen Orten und Sprechzeiten von „Kümmerern“. Zudem ist eine verstärkte Vernetzung und Kooperation aller Akteure aus Kommunen, Wohnungswirtschaft und sozialen Trägern notwendig. Nicht zuletzt gilt es, die Quartiersbewohner mithilfe von Begegnungsräumen im Quartier, wie Nachbarschaftstreffs und öffentliche Veranstaltungen, für gemeinsame Aktivitäten zu mobilisieren.

Abbildung zum Download: „Eine kooperative Zukunft der Quartiere: Übersicht der Kriterien für ein erfolgreiches Quartiersmanagement“

Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen vertritt als größter deutscher Branchendachverband bundesweit und auf europäischer Ebene rund 3.000 kommunale, genossenschaftliche, kirchliche, privatwirtschaftliche, landes- und bundeseigene Wohnungsunternehmen. Sie bewirtschaften rd. 6 Mio. Wohnungen, in denen über 13 Mio. Menschen wohnen. Der GdW repräsentiert damit Wohnungsunternehmen, die fast 30 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland bewirtschaften.

Andreas Schichel Andreas Schichel Leiter Pressestelle & Pressesprecher +49 30 82403-150

Twitter