18. August 2026 Pressemeldungen

Baugenehmigungen legen zu – bezahlbarer Wohnungsbau bleibt im Krisenmodus

Berlin – Die Zahl der Baugenehmigungen ist im ersten Halbjahr 2026 gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden von Januar bis Juni bundesweit 126.300 Wohnungen genehmigt. Das waren 15,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im für die Wohnraumversorgung besonders wichtigen Mehrfamilienhaussegment stieg die Zahl um 16,9 Prozent auf 67.000 Genehmigungen.

„Das Plus bei den Baugenehmigungen ist ein positives Zeichen. Dennoch ist bislang keine echte Trendwende beim Wohnungsbau abzuleiten. Die Zahlen steigen von einem historisch niedrigen Ausgangsniveau. Zudem ist eine genehmigte Wohnung noch lange keine gebaute Wohnung und erst recht noch keine Wohnung, die sich breite Teile der Bevölkerung leisten können“, sagt Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW.

Die Entwicklung im Wohnungsbau bleibt insgesamt noch weit vom tatsächlichen Bedarf entfernt. In Deutschland werden jährlich rund 320.000 neue Wohnungen benötigt, darunter 100.000 Sozialwohnungen. Für 2026 sind aber bundesweit nur noch rund 200.000 Fertigstellungen neuer Wohnungen zu erwarten. Bei den sozial orientierten GdW-Unternehmen sinken die Neubauinvestitionen aufgrund der anhaltend sehr schwierigen Bedingungen könnten in diesem Jahr voraussichtlich um rund 26 Prozent.

Die Lücke zwischen Genehmigungsstatistik und tatsächlicher Bautätigkeit zeigt das Kernproblem: „Viele Projekte sind zwar genehmigt, können unter den aktuellen Bedingungen aber nicht wirtschaftlich umgesetzt werden. Hohe Bau- und Finanzierungskosten, überzogene Standards, komplizierte Vorgaben und fehlende Planungssicherheit machen aus dringend benötigten Wohnungen Schubladenprojekte“, sagt Gedaschko.

Damit aus dem positiven Genehmigungstrend tatsächlich mehr bezahlbarer Wohnraum entsteht, fordert der GdW einen konsequenten Dreiklang:

  • Baukosten wirksam senken: Der Gebäudetyp E muss schnell bundesweit rechtssicher im Werksvertrags- und Mietrecht verankert werden. Notwendig sind ein praxistauglicher Gebäude-Basisstandard nach dem Prinzip „E wie einfach“, die Begrenzung kostentreibender Normen sowie ein kräftiger Schub für serielles und modulares Bauen.
  • Förderung dauerhaft verlässlich gestalten: Die EH55-Plus-Förderung muss über das Jahresende hinaus verstetigt und ausreichend ausgestattet werden. Insgesamt braucht es eine langfristig planbare Förderkulisse für den sozialen Wohnungsbau, das bezahlbare mittlere Preissegment und steuerliche Investitionsanreize. Entscheidend sind Finanzierungskonditionen, mit denen dauerhaft bezahlbare Mieten wirtschaftlich möglich bleiben.
  • Eine echte „Fast Lane“ für den Wohnungsbau schaffen: Der Vorrang für bezahlbaren Wohnungsbau muss in Planungs- und Genehmigungsverfahren praktisch wirksam werden. Verfahren müssen konsequent vereinfacht, digitalisiert und beschleunigt sowie Nachverdichtung, Aufstockung und Baulandmobilisierung erleichtert werden.

„Die Halbjahreszahlen zeigen, dass weiterhin Projekte und Investitionsbereitschaft vorhanden sind. Jetzt muss die Politik dafür sorgen, dass diese Vorhaben nicht an der wirtschaftlichen Realität scheitern. Deutschland braucht keinen Aufschwung auf dem Papier, sondern einen Aufschwung auf den Baustellen. Mit Wohnungen, die am Ende auch bezahlbar sind“, sagt Gedaschko.

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Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen vertritt als größter deutscher Branchendachverband bundesweit und auf europäischer Ebene rund 3.000 kommunale, genossenschaftliche, kirchliche, privatwirtschaftliche, landes- und bundeseigene Wohnungsunternehmen. Sie bewirtschaften rd. 6 Mio. Wohnungen, in denen über 13 Mio. Menschen wohnen. Der GdW repräsentiert damit Wohnungsunternehmen, die fast 30 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland bewirtschaften.

Bildschirmfoto 2026-05-08 um 15.59.37 Andreas Schichel Leiter Pressestelle & Pressesprecher +49 30 82403-150