Löst serielles Bauen die Wohnungsnot?

Wohnraum bleibt eine drängende soziale Frage. In Mannheim wächst auf einem ehemaligen Militärgelände der US-Amerikaner der neue Stadtteil „Franklin“. Knapp 8.000 Menschen leben hier bereits, mehrere Tausend werden folgen. Und alle brauchen ein Dach über dem Kopf, bestenfalls bezahlbar.

Dabei kommt es mehr denn je auf Unternehmen wie die lokale Baugesellschaft GBG an. Ihr gehören in Mannheim 20.000 Wohneinheiten, von denen ein Großteil für einen Quadratmeterpreis deutlich unter dem Mietspiegel vermietet wird.

In „Franklin“ hat das kommunale Wohnungsbau-Unternehmen ein ganz besonderes Ziel: den Stadtteil mit preisgünstigen und nachhaltigen Wohnungen zu entwickeln. Dass diese Mission ein Erfolg wurde, lag auch an zwei Faktoren: Erstens an der staatlichen Förderung und zweitens, dass wir seriell gebaut haben.

Geförderter Wohnraum in Serie

„Das Besondere an diesem Projekt ist, dass wir fast ausschließlich geförderte Wohnungen haben: Von 167 Wohnungen sind es 164 – also bezahlbarer Wohnraum“, erklärt Gregor Kiefer, Leiter Baumanagement bei der GBG. Geschäftsführer Christian Franke ergänzt: „Wenn man das Projekt ohne Förderung und nicht seriell gebaut hätte, dann läge die Miete bei 16 bis 18 Euro pro Quadratmeter. So kommen wir auf zirka 9,20 Euro. Das ist für diese Wohnungen wahnsinnig gut.“ Gut bedeutet? „Unsere Neubauwohnungen erfüllen einen sehr guten Standard.“

Für die GBG ist es wichtig, dass Fördermittel stabil sind, damit das Unternehmen langfristig planen kann. Dies ist nicht der einzige Wunsch von Geschäftsführer Christian Franke an die Politik: „Die Regularien müssen runter: Wir brauchen nicht die dritte oder vierte Satzung in den Kommunen, die das Bauen regelt.“

Industrielles Denken als Lösung der Wohnungsnot

Weniger Regularien bedeuten auch, dass Innovationen sich schneller durchsetzen und in der Breite angewendet werden – in diesem Fall das serielle Bauen. „Wir schaffen preisgünstigen, bezahlbaren und qualitativ hochwertigen Wohnraum in serieller Holzbauweise. Das bedeutet, dass wir einzelne Komponenten in unseren Fabriken vorfertigen, zur Baustelle bringen und in einer Art ‚Lego-System‘ zusammensetzen“, erklärt Jan Hedding von NOKERA. Das Unternehmen möchte die Art und Weise, wie gebaut wird, durch einen skalierbaren und effizienten Ansatz in der seriellen Fertigung mit Holz nachhaltig transformieren und so die Energiewende im Gebäudesektor aktiv vorantreiben. Dafür betreibt NOKERA die weltweit größte serielle Holzbaufabrik.

Jan Hedding vergleicht serielles Bauen gerne mit dem Bau von Automobilen. Auch hier entscheide sich ein Hersteller zuerst, ein Modell – zum Beispiel den Golf – auf den Markt zu bringen. Den gibt es zuerst als Basismodell, darauf folgen dann viele Varianten. Jan Hedding: „Es ist aber immer ein Golf! Ich bin überzeugt: Wir brauchen diese industrielle Denkweise, um dem Mangel von zirka 500.000 Wohnungen in Deutschland zu begegnen.“

Die serielle Fertigung hat noch weitere Vorteile: Weniger Baulärm und ein höheres Tempo. „Bei Projekten wie in Franklin sparen wir 9 bis 12 Monate Bauzeit. Ein einzelnes Haus können wir in 3 bis 6 Monaten errichten.“ so Hedding. Eine immense Zeitersparnis zur Freude von dutzenden Mietern, die bereits einziehen konnten.