Gas raus, Wärmepumpe rein – geht das?

100% klimaneutral Heizen – ohne energetische Komplettsanierung und nur mit Wärmepumpen! In Stuttgart setzt die Wohnungsbaugesellschaft SWSG erstmals ein externes Modul mit Wärmepumpen ein und behält Heizkörper, Fenster und Dämmung bei. Entgegen der weit verbreiteten Meinung funktioniert das, spart Kosten und ist dank Ökostrom klimaneutral. So werden allein hier 31 Tonnen CO2 pro Jahr vermieden.

Energetische Vollsanierungen sind teuer, Energieeffizienzstandards steigen ständig, Heizkosten sind für viele Haushalte eine extreme Belastung. In Stuttgart zeigt sich jetzt ein alternativer Weg! Die Wohnungsbaugesellschaft SWSG setzt hier auf eine Technologie, mit der die Wärmewende für Mieter bezahlbar bleibt: Dank einer modularen Energiezentrale, die über Wärmepumpen ein Bestandsgebäude versorgt.

„Wir sehen hier ein vorgefertigtes Modul mit eingebauten Wärmepumpen. Über dies wird das Gebäude mit Wärme und Warmwasser versorgt“, erklärt Dr. Mathieu Riegger. Dabei zeigt der Leiter Energie und Nachhaltigkeit bei der SWSG auf den Container, der vor dem Mehrfamilienhaus in Stuttgart Weilimdorf-Hausen steht.

Gamechanger: Energiemodul mit integrierter Wärmepumpe

Das Energiemodul enthält die gesamte Anlagentechnik und – erste Besonderheit – diese war bereits bei Anlieferung vorinstalliert. Das ersparte den Anwohnern eine längere Baustelle und ermöglichte eine schnelle und effiziente Installation, denn das Modul – zweite Besonderheit – muss lediglich elektrisch angeschlossen und wasserseitig mit dem Gebäude verbunden werden.

Die dritte Besonderheit: Das im Gebäude vorhandene Wärmeverteilungssystem aus Konvektionsheizkörpern konnte beibehalten werden. Dr. Mathieu Riegger: „Wir haben keine Gasheizungen oder andere fossile Technologie mehr. Das Energiemodul erzeugt mit seinen vier Wärmepumpen die gesamte Wärme für Warmwasser und Heizung – und zwar ausschließlich aus erneuerbaren Energien.“ Die Umstellung auf das mit erneuerbarer Energie betriebene Wärmesystem war deutlich günstiger als eine aufwendige Vollsanierung. Dr. Mathieu Riegger: „Wir investieren hier im Bereich von rund 200 bis 250 Euro pro Quadratmeter. Eine Vollsanierung läge zwischen 2.000 bis 3.000 Euro pro Quadratmeter.“

Weniger dämmen, sauberer heizen

Wärmepumpen? Seit Jahren muss diese Technologie mit Vorurteilen kämpfen. Vor allem dann, wenn es um den Einbau in ältere Bestandsgebäude geht. „Es gab eine große Kampagne, Wärmepumpen seien in Bestandsgebäuden unwirtschaftlich. Aber wir haben klar nachgewiesen, dass sie in fast allen Fällen sinnvoll sind“, sagt Architekt & Bauingenieur Prof. Dr. Werner Sobek, Experte für nachhaltiges Bauen. Sobek ist ein Initiator der „Initiative Praxispfad CO2-Reduktion im Gebäudesektor“, die sich – mit Blick auf die Klimaziele – für einen realistischen und sozialen Wandel einsetzt.

„Wir müssen weg von ‚immer mehr dämmen‘ zu ‚verbrennungsfreiem und sauberem heizen“, so Sobek. Dafür brauche es mehrere Schritte. „Die Fokussierung auf die CO2-Reduktion ist das Wichtigste. Dann: Keine Vorschriften mehr von Maßnahmenkatalogen, was wie gebaut werden muss und welche Werte da einzuhalten sind. Also kein ‚Superziel‘ anstreben, sondern ein Ziel, wo das Verhältnis zwischen Investition und damit hervorgerufene Wirkung optimal ist.“ Die Erreichung des Superziels, wie Sobek es nennt, würde zu einer Pro-Kopf-Belastung von ca. 63.000 Euro führen – für die meisten unbezahlbar.

Geringe Kosten, hohe Effizienz: Die richtige Förderung zählt

Doch wo stehen wir aktuell in Deutschland, wenn es um die Wärmewende geht? Den Überblick hat Axel Gedaschko, Präsident des GdW (Die Wohnungswirtschaft Deutschland): „Wir müssen die Kurve schnell kriegen und vor allen Dingen so kriegen, dass wir das Ziel erreichen: nämlich CO2 einsparen, ohne die Menschen zu überfordern.“

Die Fehler der aktuellen Klimapolitik? Aktuell werden durch die Förderung falsche Anreize gesetzt. Sein Appell an die Politik: „Guckt auf das, was wirklich am meisten CO2 für das wenigste Geld einspart.“