Bauturbo-Jahresbilanz: Bezahlbarer Wohnungsbau steckt weiter fest
- GdW-Umfrage: nur 8 Prozent der Wohnungsunternehmen berichten von Anwendung
- Wohnungswirtschaft fordert wirksame Kostensenkung und verlässliche Finanzierung für bezahlbaren Wohnungsbau
Berlin – Ein Jahr nach Einführung des Bauturbos zieht die sozial orientierte Wohnungswirtschaft eine gemischte Bilanz: Das Instrument kann Verfahren deutlich verkürzen, kommt bislang aber nur bei einem kleinen Teil der vom Spitzenverband GdW befragten Wohnungsunternehmen zum Einsatz. Damit aus schnelleren Genehmigungen mehr bezahlbare Wohnungen werden, müssen Bund, Länder und Kommunen jetzt die Bau- und Finanzierungskosten senken und die Anwendung vor Ort erleichtern.
„Eine Baugenehmigung bietet noch niemandem ein Zuhause. Fakt ist: Der Bauturbo kann wertvolle Zeit sparen. Aber solange sich bezahlbare Wohnungen nicht bezahlbar bauen lassen, bleibt sein Versprechen unerfüllt“, sagt Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW. „Die Politik muss den Erfolg ihrer Wohnungspolitik daran messen lassen, ob Menschen tatsächlich eine Wohnung finden, die sie bezahlen können.“
Nur rund acht Prozent der sozial orientierten Wohnungsunternehmen berichteten im Rahmen einer GdW-Umfrage im September 2026, dass der Bauturbo bereits in einem konkreten Genehmigungsverfahren ihres Unternehmens angewendet wurde. Rund 92 Prozent verneinen dies. Zugleich belegen die berichteten Erfahrungen das Potenzial: Die Genehmigungsdauer lag im Mittel bei drei Monaten. Den Beschleunigungseffekt für ihr Vorhaben schätzten die Unternehmen auf durchschnittlich 13 Monate.
Rund 31 Prozent der befragten Wohnungsunternehmen beabsichtigen, den Bauturbo bei weiteren Vorhaben zu nutzen. Bei knapp 48 Prozent ist dies noch ungewiss.
„Ein Zeitgewinn von mehr als einem Jahr kann für ein Bauvorhaben entscheidend sein. Dieses Potenzial darf nicht ungenutzt bleiben. Kommunen brauchen klare Anwendungshilfen und den politischen Rückhalt, die neuen Möglichkeiten konsequent einzusetzen“, sagt Gedaschko.
Der GdW fordert, die seit Langem angemahnten Lösungen endlich zusammenzuführen:
· Bezahlbaren Neubau finanzierbar machen: durch dauerhaft niedrige, verlässliche Förderzinsen und eine langfristig planbare Förderung. Neben dem sozialen Wohnungsbau braucht auch das mittlere Mietpreissegment wirksame Unterstützung.
· Baukosten durch einfachere Standards senken: Ein rechtssicherer Basisstandard und die praxistaugliche Absicherung des Gebäudetyps E müssen einfaches, gutes und kostengünstiges Bauen ermöglichen. Serielles und modulares Bauen muss leichter in die breite Anwendung kommen.
· Bezahlbarem Wohnungsbau wirksamen Vorrang geben: mit einer verbindlichen „Fast Lane“, die auch konkrete Bauvorhaben erreicht, digitalen Verfahren und weniger Prüf- und Dokumentationsaufwand. Aufstockung, Nachverdichtung und Umnutzung müssen einfacher werden.
„Unsere Unternehmen wollen Wohnungen bauen, die sich auch Menschen mit normalen Einkommen leisten können. Dafür brauchen sie Bedingungen, unter denen sich diese Projekte rechnen. Die Lösungen liegen seit Langem auf dem Tisch. Jedes weitere Jahr des Zögerns verlängert die Wohnungssuche und verschärft den Druck auf den Wohnungsmärkten weiter“, so Gedaschko.

Wie der Bauturbo in der Praxis zum Erfolg wird: Das Beispiel Oldenburg zeigt, wie entschlossenes kommunales Handeln und serielles Bauen zusammenwirken können, um bezahlbaren Wohnraum schneller zu schaffen. Mehr dazu hier im Beitrag „Bau-Turbo und serielles Bauen – eine erfolgversprechende Kombination“ auf Wohnungswirtschaft Online.
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Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen vertritt als größter deutscher Branchendachverband bundesweit und auf europäischer Ebene rund 3.000 kommunale, genossenschaftliche, kirchliche, privatwirtschaftliche, landes- und bundeseigene Wohnungsunternehmen. Sie bewirtschaften rd. 6 Mio. Wohnungen, in denen über 13 Mio. Menschen wohnen. Der GdW repräsentiert damit Wohnungsunternehmen, die fast 30 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland bewirtschaften.