27. April 2022 Pressestatements

Bündnis bezahlbarer Wohnraum: Auftakt unter schwierigsten Bedingungen – Wohnungsbau- und Klimaziele in großer Gefahr

Berlin – Heute findet in Berlin das Auftakt-Treffen des neuen Bündnisses bezahlbarer Wohnraum auf Einladung von Bundesbauministerin Klara Geywitz statt. Rund 50 Organisationen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft sind Teil des Bündnisses, darunter auch der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW. Angesichts der aktuell extrem widrigen Rahmenbedingungen für den bezahlbaren Wohnungsbau sieht die Wohnungswirtschaft unverzüglichen Handlungsbedarf.  

Dazu Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW:

„Zum Auftakt des Bündnisses bezahlbarer Wohnraum stehen in Deutschland der dringend benötigte Wohnungsbau und die klimaschonende Sanierung von Gebäuden kurz vor dem Erliegen. Die Ursache sind sechs krisenbedingte Entwicklungen, die sich gegenseitig überlagern:

Die massiven Lieferkettenprobleme seit der Coronakrise dauern an, Vertragspreise und -fristen können nicht mehr eingehalten werden. Nach dem radikalen Bruch mit dem bisherigen Fördersystem für bezahlbaren, klimaschonenden Wohnungsbau herrschen totale Ungewissheit, Planungsunsicherheit und Attentismus bei den bau- und sanierungswilligen Unternehmen. Der Krieg gegen die Ukraine führt zu weiteren massiven Baupreissteigerungen und Lieferengpässen, in der Bauindustrie kommt es vermehrt zu Kurzarbeit, Aufträge müssen storniert werden. Die gefährliche Mangelsituation bei Fachkräften und Material, die bereits vor dem Krieg und der Coronakrise bestand, verschärft sich damit um ein Vielfaches. Gleichzeitig steigen die Zinsen, Kredite werden immer teurer. Nicht zuletzt gehen die Energiekosten für Mieter und Vermieter durch die Decke.

Die sozial orientierten Wohnungsunternehmen sind angesichts dieser toxischen Mischung von riesigen Problemfeldern gezwungen, ihre Bauplanungen und begonnenen Wohnungsbau-Projekte zu stoppen oder auf Eis zu legen. In dieser dramatischen Situation implodieren ihre Planungen regelrecht. Erste Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage unter den rund 3.000 sozial orientierten Wohnungsunternehmen zeigen, dass nahezu alle Neubau- oder Modernisierungsprojekte entweder zurückgestellt oder ganz aufgegeben werden müssen, wenn sich die Preisdynamik der vergangenen Monate weiter fortsetzt. Preissteigerungen schlagen laut den vorläufigen Umfrageergebnissen bei mehr als zwei Drittel aller Modernisierungs- und rund der Hälfte aller Neubauprojekte zu Buche. Auf drei Viertel der Baustellen kommt es bei den Wohnungsunternehmen bereits jetzt durch Materialengpässe und Lieferkettenprobleme zu Verzögerungen.

Das bezahlbare Wohnen und die Klimaziele in Deutschland sind damit in ernsthafter Gefahr. Die politische Zielmarke von 400.000 neuen Wohnungen jährlich ist angesichts der aktuellen Lage absolut illusorisch. Insbesondere für die darin enthaltenen 100.000 neuen Sozialwohnungen ist der Bedarf aber größer denn je.   

Wir erleben in Deutschland Entwicklungen, auf die wir wenig bis keinen Einfluss haben. Die Regierung muss aber zahlreiche hausgemachte und bereits seit Jahren bekannte Schwierigkeiten sofort beseitigen. Baulandkapazitäten und Reserven im Gebäudebestand müssen aktiviert, Genehmigungsprozesse digitalisiert, Normen entschlackt und regulatorische Baukostentreiber vermieden werden. Die Potenziale industrieller Bauweisen, wie des seriellen und modularen Bauens sollten verstärkt genutzt, eine Rohstoffstrategie zur Materialsicherung erarbeitet und Klimaschutzmaßnahmen über mehrere Jahre mit Blick auf ganze Quartiere entwickelt und analysiert werden. Nachhaltiger und bezahlbarer Wohnungsbau braucht umgehend eine verlässliche, planbare und transparente Förderung. Zudem müssen sämtliche bestehenden und geplanten Maßnahmen daraufhin überprüft werden, ob sie der schnellen und einfachen Schaffung von Wohnraum im Wege stehen. Vor diesem Hintergrund muss das neue Bündnis dringender denn je schnell umsetzbare, pragmatische Lösungen finden.“

Andreas Schichel Andreas Schichel Leiter Pressestelle & Pressesprecher +49 30 82403-150

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